Plädoyer für das scheinbar Unmögliche

Janis McDavid war zu Gast beim Bonner Medien-Club

„Barrierefreiheit beginnt im Kopf...“, sagt Janis McDavid. Der 23-Jährige wurde ohne Arme und Beine geboren. Mit viel Mut, Selbstbewusstsein und Kreativität hat der junge Mann sich einen Platz in der Welt erkämpft und sich dabei von seiner besonderen Situation nie aufhalten lassen. Sein Credo lautet: „Ich bin nicht behindert, ich werde behindert.“ Am vergangenen Montag stand McDavid auf Einladung des Bonner Medien-Clubs einem interessierten Publikum im neuen Kirchenpavillon auf dem Kaiserplatz Rede und Antwort – und brach eine Lanze für Inklusion und Teilhabe von Menschen mit Behinderung. Der evangelische Kirchenkreis Bonn stellte dafür die Räumlichkeit zur Verfügung.

 

Immer neue Ziele gesetzt – und erreicht

 

 

Janis Mc David kam 1991 ohne Arme und Beine zur Welt. Er ist von Geburt an daran gewöhnt, die Welt aus anderen Augen zu sehen und hat viel Kreativität entwickelt, das Leben so zu nehmen, wie es für ihn ist. Als andere Kinder das Laufen lernten, bekam Janis seinen erste Elektro-Rollstuhl. Wie selbstverständlich nahm er an allen Aktivitäten mit teil. Unterstützt wurde er dabei von seinen Pflegeeltern, die den Jungen früh förderten und ihn forderten, wenn es darum ging, am normalen Leben teilzuhaben.

 

Schritt für Schritt habe er sich Ziele gesetzt und diese erreicht, und sich dadurch immer weiter entwickelt. Mit dem Ziel, seine Lieblingsschokolade zu bekommen, unternahm er mit zehn Jahren seinen ersten Ausflug zum Supermarkt. Als sich herausstellte, dass ausgerechnet die ersehnte Schokoladensorte unerreichbar hoch im Regal lag, fasste sich der Junge ein Herz und fragte einen Kunden um Hilfe. „Dass das funktionierte, war ein Schlüsselerlebnis, und so habe ich mir nach und nach meine Welt erschlossen“, erzählte Janis.


Mit dem eigenen Wagen kam die große Freiheit


Sein größter Mobilitätssprung ereignete sich vor viereinhalb Jahren, als Janis, damals 17-jährig, den Führerschein machte. Möglich wurde das durch einen Automobilumrüster, der auf Sondereinbauten spezialisiert ist, mit denen auch Menschen mit fehlenden Gliedmaßen ein Fahrzeug bedienen können. Eines Tages stand sein Mercedes Sprinter vor der Tür: „Da wusste ich, jetzt beginnt ein neues Leben.“ Fast schon verliebt klingt es, wenn Janis von „seinem Sprinter“ schwärmt. Kein Wunder: Das Fahrzeug hat Janis‘ Bewegungsspielraum dramatisch erweitert. Passanten staunen nicht schlecht, wenn er mit seinem Elektrorollstuhl über eine Rampe im Heck in das Fahrzeug fährt und sich dann mit geübten Schwüngen nach vorne Richtung Fahrersitz bugsiert. „Wenn ich dann auf dem Fahrersitz Platz nehme und mich anschnalle, ist die Verblüffung perfekt“, schmunzelt Janis.

 

 

Überall in Europa ist der reiselustige junge Mann schon auf eigenen vier Rädern gewesen; jedes Jahr wächst der Tachostand um mehr als 25.000 Kilometer. Zu seinen Mitfahrern gehört auch Mercedes-Chef Dieter Zetsche, der begeistert von der Runde war, die Janis mit ihm in seinem Gefährt drehte.


Arbeitswelt ist das nächste Ziel


Janis nächstes großes Ziel ist die Arbeitswelt. Er hat nach seinem Abitur ein Wirtschaftsstudium an der Universität Witten-Herdecke begonnen. Ein Auslandssemester absolvierte er an einer Universität in London – nachdem er jede Menge Schwierigkeiten aus dem Weg geräumt und die anfänglich erheblichen Bedenken seiner Gastgeber-Hochschule zerstreut hatte.


Neben dem Studium tourt der junge Mann als gefragter Redner durch Deutschland. Mit seinem Diversity-Projekt und der neuen "Stiftung Janis-Unlimited" will er zusammen mit seinem Mentor Gerd Kirchhoff vom Völklinger Kreis Bewusstsein schaffen für die Bedürfnisse von Menschen mit Behinderung. Er sagt: „Ich will Barrieren in den Köpfen, im Berufsleben und im Alltag abbauen und motivieren zu ändern, was nötig und möglich ist.“ Wenn Janis vorträgt, spricht er über sein „fast ganz normales Leben“, nicht nur über Behinderung. Sein Motto lautet dabei: „Unmögliches möglich machen!“ Mit Verve wirbt Janis McDavid für ein neues Teilhabe-Gesetz, das Menschen in seiner Situation in die Lage versetzen soll, gleichberechtigt am Leben teilzunehmen. Am Ende des Abends ist den Gästen im Kirchenpavillon klar: Auch dieses Ziel wird Janis unermüdlich verfolgen – so anstrengend das auch wird und so lange es auch dauern mag.


Mehr über Janis‘ Alltag und Mission:

http://www.janis-mcdavid.de


Über den BMC


Der Bonner Medien-Club ist die Vereinigung von mehr als 200 Mitgliedern, die als Journalisten und Pressesprecher in Bonn oder der Region leben und/oder arbeiten. Zweck des BMC ist die Pflege der Beziehungen seiner Mitglieder untereinander und zu den Behörden, Institutionen und anderen Einrichtungen des öffentlichen Lebens in der Region. Der BMC veranstaltet Hintergrundgespräche mit Persönlichkeiten des öffentlichen Lebens, Hausbesuche bei Einrichtungen in Bonn und Umgebung sowie Informationsreisen.

 

 

Foto: Meike Böschemeyer/BMC & Gerd Kirchhoff